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Tipps und Anregungen für die Gestaltung von Innovationsprozessen

 

 

Design Thinking ist ein Ansatz, der über das Fördern kollaborativer Kreativität zum Lösen von Problemen und zur Entwicklung neuer Ideen führen soll. Er entstand bei der Design-Forschung, die Arbeitsprozesse professioneller Designer erforschte und herauszufinden versuchte «how designers think». Design Thinking wurde Mitte der 80er Jahre von der Innovationsagentur IDEO entwickelt und durch die Gründung des “Institute of Design” der Stanford Universität sehr bekannt.

Wie funktioniert Design Thinking bei Projekten?

Es handelt sich um keine spezifisch definierte Methoden, sondern um die Nutzung einer Kombination von Methoden, die auf Prozessaufgaben wie Beobachten, Ideen generieren und Prototypen erstellen ausgerichtet sind.

Die Anwender:innen folgen den folgenden Prinzipien (vgl. Lewrick/Link/Leifer 2020):

  • Wir stärken unsere Neugier, um Sachverhalte und Probleme in der Tiefe zu verstehen.
  • Wir öffnen uns für neue Möglichkeiten.
  • Wir verabschieden uns von Vorurteilen «wie Dinge funktionieren».
  • Wir legen Erwartungen darüber beiseite, was passieren wird.
  • Wir stellen einfache Fragen.
  • Wir probieren Dinge aus und lernen daraus.

Im Wesentlichen geht es um sieben Prozessschritte:

  1. Verstehen
  2. Beobachten
  3. Standpunkt definieren
  4. Ideen entwickeln (sammeln, bewerten, priorisieren)
  5. Prototypen/Modelle der besten Ideen entwickeln
  6. Testen
  7. Reflektieren

Warum eignet sich Design Thinking bei Innovationsprozessen im Sozial- und Gesundheitswesen?

Gleich sechs Fakten sprechen dafür, Design Thinking bei Projekten in diesem Umfeld anzuwenden:

  1. Es wird vom Menschen ausgegangen.
  2. Ein Problembewusstsein wird geschaffen.
  3. Es wird in heterogenen und interdisziplinären Teams gearbeitet.
  4. Prototypen werden getestet und Feedback ist wichtig.
  5. Die Komplexität wird als Teil der Problemstellung akzeptiert.
  6. Weil in kürzeren und längeren Zyklen gearbeitet wird.

Innosuisse verwendet Design Thinking als methodischen Orientierungsrahmen für die von ihr finanzierten Innovation Booster, siehe Leitbild und Leitprinzipien.

 

 

Um das Prinzip der sozialen Innovation zu verstehen, ist es wichtig, sich in einem ersten Schritt damit auseinanderzusetzen, was alles Innovation sein kann.

Formen von Innovation

Ganz generell verweist Innovation auf etwas Neuartiges, etwas das vom bisherigen Erwartungshorizont stark abweicht und damit überrascht. So bezeichnet werden im Zusammenhang mit neuartigen Ideen und deren Umsetzung in der Praxis sowohl Prozesse (der Entwicklung) als auch ein Ergebnis. Ob eine Innovation vorliegt, lässt sich nur im Vergleich erkennen, also in Bezug auf einen bestimmten zeitlichen, geografischen oder auch fachlichen Kontext: Was heute innovativ ist, wird es in einigen Jahren nicht mehr sein. Was hier innovativ ist, hat sich andernorts möglicherweise schon etabliert. Was im Kontext des Sozial- und Gesundheitswesens innovativ ist, gibt es in einem anderen Fachbereich vielleicht schon.

Innovation kann es in allen Bereichen von Wissenschaft und Gesellschaft geben. Zu denken ist beispielsweise an Technik, Kunst, Tourismus, Städtebau oder Medizin. Der Prozess dahin ist durch Unsicherheiten und Risiken gekennzeichnet: Geht man eine Frage auf neuartige Weise an, kann es zu Rückschlägen kommen, das Vorhaben kann scheitern oder unvorhergesehene Nebenfolgen mit sich bringen. Deshalb brauchen Innovationen «Risikokapital». Der Innovation Booster «Co-Designing Human Services» bietet genau das für Entwicklungsideen mit Innovationspotenzial im Sozial- und Gesundheitsbereich.

Der Mehrwert sozialer Innovationen

Soziale Innovationen beziehen sich nicht auf ein Produkt im Sinn einer Ware oder eines Produktionsmittels, sondern auf gesellschaftliche Zusammenhänge. Es geht darum, soziale Praktiken und Beziehungen zu verändern und zur Ermächtigung bestimmter (vulnerabler) Bevölkerungsgruppen beizutragen. Soziale Innovationen stärken also Menschen, deren Gesundheit, Wohlergehen und gesellschaftliche Teilhabe – aus welchen Gründen auch immer – beeinträchtigt bzw. gefährdet ist. Soziale Innovationen bieten eine neuartige Herangehensweise und Lösung für ein soziales Problem und einen Mehrwert, der zu einem wesentlichen Teil wiederum der Gesellschaft als Ganzes zugutekommt. Sie haben das Potenzial, die Praxis grundlegend, umfassend und dauerhaft zu verändern. Sie setzen sich gegenüber dem Bisherigen durch, weil sie als wirksamere, nachhaltigere, gerechtere oder auch passgenauere Herangehensweise hinsichtlich eines sozialen Bedarfs oder eines sozialen Problems wahrgenommen werden. Die Wirkung ist transformativ, wenn die Veränderungen auch auf die Ursachenzusammenhänge einwirken, die zu einem sozialen Problem geführt haben. Ein gutes Beispiel dafür ist das Prinzip der Schadenminderung, das sich in der Suchthilfe durchgesetzt hat und das darauf abzielt, die negativen Folgen des Produktkonsums durch die Bevorzugung von Pflege- und Präventionsstrategien zu verringern.

Soziale Innovationen können unterschieden werden nach gesellschaftlicher Ebene, auf die sie abzielen. Man spricht von mikro-, meso- und makrosozialen Innovationen (siehe dazu Parpan-Blaser/Hüttemann 12019:81). Eine andere Möglichkeit ist die Differenzierung nach Innovationsgrad, man spricht von inkrementellen, evolutionären, expansiven und radikalen Veränderungen (siehe dazu Osborne 1998). Die dritte Variante ist das gesellschaftlichem Feld, auf das sie sich beziehen, also Wohnen, Gesundheit, Arbeit, Zusammenleben, etc.


Source:Burkett

 

Co-Designing bedeutet wörtlich übersetzt "gemeinschaftliches Design" und ist eine Methode zum aktiven Einbezug eines breiten Spektrums von Menschen in Gestaltungs- und Umsetzungsprozesse. Es steht dafür, dass die kollektiven Erfahrungen und Bedürfnisse bei Verbesserungen und Innovationen einbezogen werden, um Dienstleistungen und Ergebnisse zu schaffen, die so gut wie möglich sind.

Wie funktioniert Co-Designing?

Es bedeutet, dass man anstelle von einem expert:innengesteuerten Prozess in einem partizipativen Verfahren nutzer:innengesteuert entwickelt und zwar über alle Phasen hinweg. Es geht also nicht darum, die Menschen nur in der Anfangsphase zu konsultieren, sondern sie einzubeziehen in einen Lernprozess, in dem es darum geht, was funktioniert und wie wir innovativ sein können. Dies um sicherzustellen, dass Dienstleistungen zur Unterstützung von Menschen in der Lage sind, alle Menschen zu erreichen. Co-Designing zielt also nicht nur darauf ab, die Stimmen der Endnutzer:innen einzubeziehen, sondern auch darum, im gesamten Dienstleistungssystem ein gegenseitiges Verständnis aufzubauen (siehe dazu Burkett).

Grundgedanken und Vorteile von Co-Designing

Ein Co-Designing orientiert sich unter anderem an folgenden Prinzipien:

  • Die Gruppe beginnt mit Fragen, nicht mit Lösungen, und mit Neugier, nicht mit Gewissheit.
  • Es geht um ein Lernen mit und von Menschen, die «gelebte Erfahrung» mit einem Thema haben, was für Fachpersonen bedeutet, das Büro und oft auch die Komfortzonen zu verlassen.
  • Co-Design ist ein Prozess, nicht ein Ereignis: Erforderlich sind bestimmte Strukturen, um Beziehungen aufzubauen, die Vertrauen, offene Kommunikation und gegenseitiges Lernen ermöglichen.
  • Co-Design wird wahrscheinlich Konflikte, schwierige Entscheidungen, Risiken und Misserfolge mit sich bringen. Deshalb muss mit weit geöffneten Augen an die Sache herangegangen werden.

Diese Form des Arbeitens hat verschiedene Vorzüge:

  1. Die Herausforderung respektive das Problem wird aus verschiedenen Perspektiven betrachtet.
  2. Verschiedene Erfahrungshintergründe und unterschiedliches Wissen führen zu einem vertieften, komplexen Verständnis von Fragestellungen.
  3. Die Multiperspektivität hilft, ausgetretene Pfade zu verlassen, wenn es darum geht, Ideen zu entwickeln.

Was gilt es beim Co-Designing zu beachten?

Wer mit Co-Designing arbeitet, braucht Aufmerksamkeit für folgende Punkte:

  • Die involvierten Personen müssen gegenüber den Sichtweisen anderer offen sein.
  • Unterschiede sind wertzuschätzen, ungleiche emotionale Beteiligung anzuerkennen.
  • Unterschiedliche individuelle Nutzenerwartungen gilt es transparent zu machen.
  • Die Formen des Austauschs respektive der Zusammenarbeit sind so zu wählen, dass alle ihre jeweiligen Stärken einbringen können.
  • Ziele, Schritte, Rollen und Aufgaben sind transparent zu machen und auszuhandeln.
  • Gespräche und Prozesse werden im Turnus moderiert.
  • Die Zusammenarbeit gilt es regelmässig zu reflektieren.
  • Ungleiche Ressourcen muss man kompensieren (bspw. in dem die Frage gestellt wird, ob sich jemand in der Arbeitszeit oder in der Freizeit am Prozess beteiligt?)

Co-designing am Forum Soziale Innovation 2022

Co-designing am Meeting the innovation teams 2023

Design of innovation processes

Eurich/Glatz-Schmallegger/Parpan-Blaser (2018). Gestaltung von Innovationen in Organisationen des Sozialwesens.
Klein/Laville,/Moulaert (2014). L’innovation sociale.
Cassani (2017). Design Thinking per le imprese sociali.

Project management

Gächter (2019). Projektmanagement konkret
Bouchaouir/ Dentinger/Englender (2017). Gestion de projet.
Romano V. (2022) Project Manager oggi. Come realizzare progetti in tempi ridotti, in un mondo veloce e complesso.

Problem solving

Alberti/Gandolfi/Larghi (2016) La pratica del problem solving. Come analizzare e risolvere i problemi di management.

Design thinking methods

Lewrick/Link/Leifer (2020). The design thinking toolbox (available also in German and Italian)
Biso (2020). Design Thinking. Accélérez vos projets par l’innovation collaborative

Co-operation in heterogeneous teams

Driessens/Lyssens-Danneboom (2021) Involving service-users in social work education, research and policy.
Müller de Menezes/Chiapparini: «Wenn ihr mich fragt…» Das Wissen und die Erfahrung von Betroffenen einbeziehen Grundlagen und Schritte für die Beteiligung von betroffenen Personen in der Armutsprävention und -bekämpfung (also in F/I) www.gegenarmut.ch/beteiligung
Les Chercheurs Ignorants (2015). Les recherches-actions collaboratives. Une révolution de la connaissance.
Caporarello/Magni (2015) Team management. Come gestire e migliorare il lavoro di squadra.