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Jahresthema 2022: Flexible Wohn- und Unterstützungsformen für alternde Menschen

Der Schweizerische Verein zur Förderung der sozialen Innovation hat von Innosuisse den Zuschuss erhalten, einen sogenannten NTN Innovation Booster aufzubauen und durchzuführen. Diese Form der Innovationsförderung erlaubt es, Akteure aus Forschung, Praxis und Gesellschaft rund um ein Thema zusammenzubringen und die ersten Schritte einer Entwicklung finanziell zu unterstützen. So sollen neuartige Ideen für den Sozial- und Gesundheitsbereich angestossen und getestet werden. Der «Innovation Booster Co-Designing Human Services» ist also eine einmalige Chance für einen Bereich, in dem «Risikokapital» und Mittel für Innovationen oft fehlen.

Leitidee: Nutzer:innen sind Expert:innen für die von ihnen beanspruchten Leistungen – deshalb wirken sie mit Vorteil bei der (Weiter)Entwicklung dieser Leistungen mit. «Co-Designing» steht für offene Innovationsprozesse, in denen die Erfahrungen und Bedürfnisse der Nutzer:innen zum Kompass und Motor von Innovation werden.

Aktuelle Herausforderungen: Die Gesellschaft wandelt sich und damit verändern sich auch die Bedürfnisse für soziale Dienste. Menschen leben länger, haben neue Erwartungen an das Zusammenleben und ihre Selbständigkeit. Familienstrukturen verändern sich und die Vielfalt der Lebensformen wächst. Viele Menschen sind auf der Flucht oder migrieren aus anderen Gründen. Arbeitsmarkt und Unternehmen bringen neue Formen der Beschäftigung hervor, die flexibler und manchmal auch unsicherer sind. All dies erfordert von Diensten im Sozial- und Gesundheitsbereich, sich weiterzuentwickeln und nach neuen Lösungen zu suchen.

Der NTN Innovation Booster «Co-Designing Human Services»: Wir laden Nutzer:innen von Diensten und Fachpersonen aus dem Sozial- und Gesundheitswesens dazu ein, sich zu vernetzen. Gemeinsam bilden sie «Innovationsteams» zu einem für sie wichtigen Entwicklungsbedarf zum Jahresthema. Im Austausch schärfen sie ihre Anliegen und entwickeln eine Innovationsidee: Wie können neue (oder auch bekannte!) Probleme besser gelöst werden? Wie könnten neuartige Dienste aussehen? Wie kann die Stellung von Nutzer:innen in Sozialen Diensten verbessert werden? Welche neuen Formen der Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen, Diensten, Organisationen und Nutzer:innen sind denkbar? Wie könnten neue und bessere Unterstützungsformen für sozial und/oder gesundheitlich benachteiligte Gruppen aussehen?

Jahresthema 2022 Flexible Wohn- und Unterstützungsformen für alternde Menschen: Die Lebenserwartung ist in den letzten Jahrzehnten gestiegen und der Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung wird immer grösser. So wird gemäss Bundesamt für Statistik die Zahl der über 80-Jährigen in der Schweiz von 0,4 Millionen im Jahr 2017 auf 1,1 Millionen im Jahr 2045 ansteigen. Die aus dem Babyboom der Nachkriegszeit hervorgegangene Generation, die heute ins Seniorenalter eintritt, hat andere Wünsche und Erwartungen als frühere Generationen: Ältere Menschen möchten ihre Selbstständigkeit so lange wie möglich aufrechterhalten, zu Hause oder in gemeinschaftlichen Lebensformen leben und Raum für ihre individuellen Bedürfnisse haben.

Die Alterung der Bevölkerung führt auch zu neuen Ausgangslagen für Sozial- und Gesundheitsdienste: Beispielsweise werden Menschen mit Behinderungen, mit Suchtproblemen oder mit besonderem Pflegebedarf zunehmend älter und benötigen angepasste Formen von Beratung, Unterstützung, Betreuung und Pflege. Die Sozial- und Gesundheitsdienste sind gefordert, sich an diese neuen Bedürfnisse anzupassen. Dabei geht es beispielsweise um flexible und bedarfsgerechte Wohnformen, um Modelle für häusliche, Kurz- und Langzeitpflege, um flexible, intermediäre und langfristige Dienste, um Formen gerechter Finanzierung oder auch um Fragen des Zusammenlebens der Generationen oder im Quartier.

Was sind die nächsten Schritte für Sie?

  • Machen Sie das Jahresthema in Ihren Netzwerken bekannt
  • Überlegen Sie, was die Entwicklungsbedarfe (in Ihrem Feld) dazu sind. Vielleicht haben Sie auch schon erste Ideen.
  • Suchen Sie nach Partnern für ein Innovationsteam. Ein Innovationsteam besteht aus Nutzer:innen, Fachpersonen aus der Praxis von Sozialen und/oder Gesundheitsdiensten und Fachpersonen aus Wissenschaft und Forschung. Ein Innovationsteambesteht aus circa 6 bis 8 Personen. Versuchen Sie verschiedene Sichtweise zusammenzubringen: Ausreichend «Reibungsfläche» ist förderlich, um auf unerwartete Ideen zu kommen.
  • Besuchen Sie im Rahmen der Innovationswoche vom 14. bis 18. März 2022 dezentrale Anlässe zum Jahresthema: Sie bieten weitere Möglichkeiten der Vernetzung und zur Bildung von Innovationsteams. Informieren Sie sich zu diesem Zweck das Programm.

Am Innovationsforum vom 5. Mai 2022 stellen die Innovationsteams ihre Ideen vor und erhalten zu den Kriterien (Bezug zum Jahresthema und zu einem identifizierten Bedarf, Originalität, Neuartigkeit, Innovationspotenzial) eine Rückmeldung von einer Jury (Panel des Innovation Boosters). Das Panel lädt die Innovationsteams mit den vielversprechendsten und innovativsten Ideen ein, diese während eines Monats (Ideation Phase) weiter anzureichern und weiterzuentwickeln. Dafür erhalten sie finanzielle Unterstützung (1000 CHF) und bei Bedarf methodische Anregungen. Danach und nach weiteren fünf Monaten erfolgt eine kriteriengeleitete Selektion der Projektideen und damit verbunden ihre weitere finanzielle Unterstützung, so dass schliesslich rund 14 bis 16 «Prototypen» entstehen. Eine Darstellung des gesamten Prozesses  finden Sie in Kürze auf unserer Webseite sowie nachfolgend eine Zusammenstellung der finanziellen Unterstützungsbedingungen.

Jedes Innovationsteam schickt zu seiner Projektidee ein schriftliches Dokument von einer Seite Umfang bis 28. April 2022 an info(at)innovationsociale.ch. Es liefert eine kurze Antwort zu den untenstehenden Fragen und gilt als Anmeldung zum Innovationsforum.

  • Wer sind die Mitglieder des Innovationsteams?
  • Was ist der Ausgangspunkt Ihrer Überlegungen? Auf welche Frage/zu welchem Bedarf bietet Ihre Idee eine Antwort?
  • Was ist der Bezug zum Jahresthema?
  • Was wollen Sie entwickeln?
  • Wie wollen Sie im Innovationsteam zusammenarbeiten?
  • Wo sehen Sie Herausforderungen?

Interessiert, aber noch kein Team? Am Innovationsforum können alle interessierten Personen teilnehmen, egal ob sie Teil eines "Innovationsteams" sind oder nicht. Einzelpersonen können ihr Interesse oder ihre Ideen auch am Innovationsforum einbringen. Es wird hierfür Zeit eingeplant. Möglicherweise ergeben sich dadurch am Tag selbst neue "Innovationsteams" oder Einzelpersonen schliessen sich bestehenden Innovationsteams an. Gerne können Sie unter info(at)innovationsociale.ch bereits heute Ihre Teilnahme am Innovationsforum anmelden. Auch hier gilt die Anmeldefrist bis zum 28. April 2022.